Brotzeit bei der Bier-Wallfahrt nach Altötting, © Inn-Salzach Tourismus

Oans, zwoa, g‘pilgert


Geführte Bier-Wallfahrt nach Altötting

Tipp

Eine besondere Form die regionale Braukultur und bayerische Gastlichkeit zu erkunden, ist eine geführte „Bier-Wallfahrt“ nach Altötting. Die Stadt zählt zu den bedeutendsten Marienwallfahrtsorten Europas: Da liegt eine solche Unternehmung nahe.


Rund 16,5 Kilometer Strecke legen die Bier-Wallfahrer zu Fuß zurück. Humorvoll begleitet vom bayerischen Mundart-Kabarettisten Fritz Mayer. „Weiß jemand von euch, was Wallfahren im eigentlichen Sinne bedeutet?“, fragt Fritz in die Runde. „Es kommt vom deutschen Wort ‚wallen‘ und bedeutet in eine bestimmt Richtung ziehen. In unserem Fall geht es heute von Brauerei zu Brauerei nach Altötting“, erklärt er. Hier in der Gegend um Unterneukirchen ist Fritz bekannt wie ein „bunter Hund“ - vor allem als Kabarettist und Komödiant – ein größeres Publikum kennt ihn aber auch aus der ZDF-Vorabendserie „Die Rosenheim Cops“. „Ich bin dort einer von der Spurensicherung, der in so einem weißen G’wand rumläuft“, lacht Fritz.

Bis zur ersten Station ist es nicht weit. Keine 500 Meter sind es zur kleinen Privatbrauerei Leidmann, wo Braumeister Sebastian gerade den Sud ansetzt und Gattin Margot die Weißwürste für das Wallfahrerfrühstück in das siedende Wasser gibt. Bei den Leidmanns werden seit 1932 Spezialitäten wie das „Birschal“, die „Hefe Weiße“, „Der weiße Bock“, die „Althaler Weiße Leichte“ oder „Leidmanns Original Burschenbier“ gebraut. Aus dem Weizenbockbier entsteht durch behutsame Destillation ein feiner Bierbrand. „Der Weiße Bock hat auf der Destillata in Wien bereits zweimal Gold geholt“, sagt Margot stolz.

Nach dem Frühstück geht es für die Gruppe weiter. Fritz führt vorbei an stattlichen Bauernhöfen aus dem 19. Jahrhundert, an Obstbäumen und durch grüne Felder. Gegen Mittag lockt der „Bräu im Moos“. Eine stattliche Landbrauerei mit Biergarten und Blick auf das weitläufige Rotwildgehege. „Wir haben hier gut 100 Tiere, die wir mit den Trebern füttern, den Malzrückständen, was die Hirsche besonders gern mögen“, sagt Juniorchefin Carolin Münch, die derzeit das Bierbrauen in Weihenstephan studiert. Die Familie braut hier zwölf verschiedene Biere in der vierten Generation – auf Pasteurisation wird zugunsten des Aromas verzichtet. Nach einer Führung durch das kleine Biermuseum erwartet die Wallfahrer ein Biermenü mit Verkostung“. Von jedem Flaschenetikett lächelt ein Mönch. Er ziert das Brauereiwappen, weil einer der Münch-Vorfahren Richter in einem Kloster war.

Nach gut eineinhalb Stunden Rast geht es entlang des Waldes weiter. In der Ferne sind schon die Doppeltürme der Stiftskirche von Altötting zu sehen. Doch ehe die Gruppe ihr Ziel erreicht, treffen die Teilnehmer noch auf die drei Schwestern Sabine und Iris Detter sowie Birgit Strasser. Alle drei führen zusammen mit ihren Eltern den „Graminger Weißbräu“. Sabine und Birgit kümmern sich als gelernte Braumeisterinnen um das Flüssige, während Iris als gelernte Hotelfachfrau für den Gasthof zuständig ist. Bis zum Jahr 1920 wechselte der „Weißbräu“ mehr als zehnmal den Besitzer, ehe Josef Krähschütz das Anwesen erwarb. Heute führen seine drei Urenkelinnen das Anwesen in vierter Generation – und das überaus erfolgreich. Für ihre unfiltrierten Weißbierspezialitäten konnten die drei Schwestern schon dreimal den „European Beer Star“ in Gold nach Altötting holen. „Ein Renner ist auch unser Schwarzfahrer“, erzählt Birgit Detter. Ein überraschend vollmundiges, dunkles, alkoholfreies Weizen. Dann steht die finale Etappe auf dem Programm. 20 Minuten fehlen noch bis ins Zentrum von Altötting, zum Kapellplatz, der berühmten Gnadenkapelle mit der Schwarzen Madonna und den ungezählten Votivtafeln. Und vielleicht ist ja dort noch Zeit – ehe ein Shuttle die Wallfahrer zurück nach Unterneukirchen bringt – für ein „Pilgerbier“ aus der Familienbrauerei Hell-Bräu.